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Pfarreiengemeinschaft Oberleichtersbach / Schondra

Erste kirchliche Zeugnisse aus dem 9. Jahrhundert

Die Wunderheilung im „oratorium“ zu Lihtolvesbah am 14. Mai 836
von Josef Heil

Historia Fuldensis von Johann Friedrich Schannant von 1729, S. 125


 

 

 

 

 

Nur wenige Jahrzehnte nach der urkundlichen Ersterwähnung von Oberleichtersbach (812) ist am 14. Mai 836 bei der Reliquienüberführung des Hl. Venantius von Rom nach Fulda erstmals ein Gotteshaus („oratorium“) in Lihtolvesbah (Oberleichtersbach) dokumentiert.

Im Jahr 836 hatte der Fuldaer Abt Hrabanus Maurus seinen Mönch Addo beauftragt, nach Italien zu reisen, um den Leib des Heiligen Märtyrers Venantius entgegenzunehmen und ihn nach Fulda zu überführen. Venantius war im 3. Jahrhundert Bischof von Salona in Dalmatien und um das Jahr 270 den Märtyrertod gestorben; seine Verehrung verbreitete sich in Italien, so dass er in Rimini zum Heiligen erhoben wurde.

Heiliger Venantius, St. Peter und Paul in Oberleichtersbach

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zu verdanken haben wir die Überlieferung der Einzelheiten dieser Reliquienüberführung dem Mönch Rudolf, der unter Abt Hrabanus Maurus (822 – 845)  Bibliothekar und Archivar in Fulda war. In seinem Werk Miracula sanctorum Fuldenses ecclesias translatorum (Die Wunder der Heiligen, die in die Kirchen von Fulda gebracht worden waren) beschreibt er in einer Art Reiseführer, auf welchen Wegen die Reliquien nach Fulda kamen und welche Wunder sie schon bei diesen Überführungen bewirkten.

Überliefert ist uns die Miracula sanctorum Fuldenses ecclesias translatorum durch den Jesuiten Christoph Brower (1612) und den Geschichtsschreiber Johann Friedrich Schannant (1729).

Der Reisebericht schildert den Weg der Reliquien über Solenhofen an der Altmühl, Holzkirchen bei Marktheidenfeld, Hammelburg und Oberleichtersbach nach Fulda.

. . .
14. Mai 836

Nachdem wir am folgenden Tag aufgebrochen waren, gelangten wir zu dem Ort mit der Bezeichnung Lihtolvesbah (Oberleichtersbach), welcher im Wald Buchonia liegt und vier Leuken (mittelalterliches Längenmaß) von Kloster Fulda entfernt ist.

Als wir dort nach der Aufnahme durch die, die am Wald wohnten, von denen uns eine große Menge entgegengekommen war, im Oratorium (Gebetshaus) die Trage abgesetzt hatten, brachte eine bettelarme Frau, die ihren sechsjährigen Sohn, der von Geburt an taub und stumm war, in den Armen hielt, diesen vor die Reliquien des Heiligen. Sie übernachtete dort und nahm ihn, wie die Leute sagten, am folgenden Tag als Hörenden und Sprechenden wieder mit.

Wir aber nahmen unseren Weg wieder auf, nachdem wir die Lobgesänge der Matutin abgeschlossen und feierliche Messen so, wie es sich gehört, gefeiert hatten. Da kam uns plötzlich, als wir in Sichtweite unseres Klosters gekommen waren, - siehe da - unser Abt entgegen, der uns tags zuvor vorausgeeilt war, um die Einholung der heiligen Reliquien zu organisieren, und mit ihm alle unsere Mitbrüder, mit Ausnahme derer, die Alter oder Krankheit am Auszug hinderte, mit Kruzifixen und Kerzen, wobei sie in Kästchen die Gebeine der seligen Märtyrer Urbanus und Quirinus trugen, die, wie ich oben erwähnt habe, kürzlich aus Rom gebracht worden waren ...

Da Rudolf, der sich selbst als Augenzeuge bezeichnet, die Ereignisse der Reliquienüberführung zeitnah niederschrieb, sollte den Überlieferungen ein hoher Wahrheitsgehalt beigemessen werden können. Ob all die Wunderheilungen – in Anzahl und Wirkung – tatsächlich so stattgefunden haben, kann man natürlich heute nicht mehr beantworten.

Reliquien des Heiligen Venantium im Dommuseum Fulda






 

 

 



 

 

 

Die Urpfarrei Oberleichtersbach

von Josef Heil

Der Bau der romanischen Kirche von Oberleichtersbach wird auf das Jahr 1153 datiert. Von diesem Bau sind heute noch die romanischen Turmuntergeschosse und drei Klangarkaden-Säulen erhalten. Oberleichterbach gehörte zu diesem Zeitpunkt zur Dotation des Klosters Michaelsberg in Fulda. Um die Einkünfte des 1127 neu gegründeten Benediktinerinnenklosters Thulba aufzubessern, übertrug Abt Marquard I. (1150 – 1165) deshalb die Pfarrei Oberleichtersbach am 25. Dezember 1156 mit allen Rechten an das Kloster Thulba.

Romantische Klangarkaden-Säulen aus dem 12. Jahrhundert















Diese Urkunde beinhaltet gleichzeitig die Ersterwähnung der Pfarrei Oberleichtersbach.

Marquard sancte Fuldensis ecclesie abbas übergibt auf Rat der Brüder den Nonnen in Tulba (Thulba) zwecks Milderung ihrer Not die Pfarrei (parrochia) Litolvesbach (Oberleichtersbach) zu ihrer Nutzung bei Versorgung des Pfarrvolkes (plebs ecclesie) durch Priester (sacerdotes), ferner den Weiler (vicus) Sewes (Seeshof bei Hammelburg) mit allen Zugehörungen, bebaut oder unbebaut, Zehnten und einen Teil des an die Dorfgemarkung (limitatio vici) angrenzenden Waldes (nemus), außerdem einen Hof (dominicale) in Hochheim (Hohn), den der damit belehnte Graf (comes) Berthold dem Abte aufgelassen hatte, mit allen Rechten, Zugehörungen, Äckern, Weinbergen und Wäldern (nemora), schließlich die Zehnten seiner zwei Höfe (dominicalia) in Hamelenburch (Hammelburg) und Diebach und löst das Pfarrgut (fundus ecclesie) zu Oberleichtersbach nebst allem, das der Stifter (primus fundator loci) Gerlach als Widdum (dos) der Kirche gegeben hatte, von Gerlachs Geschwisterkindern (consobrini) Ebo, Albrecht, Gerlach, Hartmut und ihrer Schwester (germana) Ruhlant sowie ihrer Nachkommen aus, indem er ihnen 20 Mark Silber bezahlt.

Siegler: Abt Marquard (nostrum sigillum)

Diese im Herrn begonnene Schenkung ist vollendet worden im Jahr der Menschwerdung des Herrn 1156, in der 4. Indiktion, als Friedrich, der Kaiser der Römer, regierte, im 2. Jahr seiner Herrschaft, mit Zustimmung dieser Prälaten der heiligen Fuldaer Kirche: Dekan Ludwig (Kloster Fulda), Probst Herimann (Kloster Fulda), Kämmerer Lambert (Kloster Fulda), Probst Rugger (Kloster Frauenberg), Probst Reginfried (Kloster Petersberg), Probst Diemar (Kloster Johannesberg), Probst Burchard (Kloster Andreasberg), Vogt Giso (Kloster Fulda).

Der Sprengel der Urpfarrei Oberleichtersbach umfasste im Mittelalter ein Gebiet, das im Süden bis Münchau, im Norden bis Kothen, im Westen bis Eckarts-Rupboden und im Osten bis Unterriedenberg reichte. Aus der Pfarrei schieden Eckarts 1439, Kothen und Werberg zwischen 1550 und 1556 und Brückenau mit den heutigen Stadtteilen 1694 aus.

Unter einer Urpfarrei verstehen Historiker erste nach der Christianisierung geschaffene kirchliche Zentren in ländlichen Gebieten, deren Kirchspiele teilweise sehr ausgedehnt waren. So gab es im Süden des Fuldaer Stifts nur zwei Urpfarreien: Leichtersbach und Hammelburg.

Der erste Oberleichtersbacher Priester, dessen Name uns urkundlich aus dem Jahr 1271 überliefert ist, hieß Otto. Wenige Jahrzehnte später beginnt der Umbau der romanischen Kirche zu einem Gotteshaus im gotischen Stil. Von dieser Kirche ist uns heute noch das gotische, spitzbogige Portal auf der Südseite erhalten. Über diesem Portal ist heute das Sandsteinwappen des Fürstabtes von Fulda, Placidus von Droste (1678 – 1700), zu sehen, während dessen Amtszeit die Kirche letztmalig in größerem Umfang umgebaut wurde.

Glockenturm






















Daneben bezeugen noch  heute zwei Glocken mit gotischer Inschrift den wahrscheinlichen Abschluss der Umbaumaßnahmen in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts.

Die kleinere von beiden hat einen Durchmesser von 55 cm, bei einem Gewicht von 85 kg. Die Umschrift in gotischen Majuskeln (Großbuchstaben) lautet: M CCC XXX III (=1333) JOHANES MATEUS MARCUS LUCAS. Es handelt sich hiermit um die älteste datierte Glocke im Landkreis Bad Kissingen.

Die zweite Glocke ist ohne Jahresangabe, dürfte aber nach Karl Gröber etwa gleichaltrig sein und hat einen Durchmesser von 80 cm. Sie wiegt 310 kg. Den Mantel der Glocke umlaufen zickzackförmige Linien, die an ihren Schnittpunkten in Kreuzchen enden. Die Umschrift lautet: JOHANNES LUCAS MARCCUS MATHEUS.










Ergänzt wurde das Geläut 1429 durch eine dritte Glocke mit einer Umschrift in spätgotischen Minuskeln (Kleinbuchstaben): anno dni m cccc und in dem xxvıııı iar (=1429) ave maria gratia plena dominus und einem Durchmesser von 85 cm. Ihr Gewicht beträgt 360 kg.

Heute erschallt noch eine vierte Glocke, die 1965 geweiht wurde. Die Umschrift, der von Rudolf Perner (Passau) gefertigten Glocke lautet: Heilige Maria Königin des Friedens. Bitte für uns. Oberleichtersbach. Ihr Durchmesser beträgt 100,5 cm, bei einem Gewicht von 592 kg.

Das Hochstift Fulda vor der Reformation.


 


 
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